Comienzo

»Diese Musik bedeutet für mich eine große Freiheit. Die Freiheit, über die Traurigkeit
zu singen, die Freiheit, hemmungslos zu klagen, die Freiheit, nicht zu funktionieren.
Und in all dieser abgrundtiefen Melancholie hat die Musik ein Trotzdem. Etwas Trös-
tendes, Reinigendes und Ermutigendes.«

So beschreibt Pianist Fabian Klentzke, was ihn und Sänger Antonio Morejón Ca-
raballo an der traditionellen Musik des Südens so fasziniert. Ihr Repertoire reicht
vom argentinischen Tango, dem portugiesischen Fado (» Das seltsame Leben « /
» Estranha forma die vida «) über Boleros aus Kuba, Spanien und Mexiko bis hin zu
jüdischen Liedern wie dem herzergreifenden jiddischen Wiegenlied » Oyfn veg sh-
teyt a boym «.

Bei aller Vielfalt des Programms, seinen roten Faden erhält es durch die wehmü-
tige Schönheit der Musik und durch den leidenschaftlichen wie hingebungsvollen
Vortrag des Duos. Die beiden Musiker machen die Melodien und Texte zutiefst be-
rührend erlebbar.

Antonio Morejón Caraballo hat eine bemerkenswert reife Stimme. Mal samt-
weich, fast schmelzend, zurückgenommen und dann wieder sehr kraftvoll und klar
und ein Timbre mit Gänsehautgarantie. Durch seinen kubanischen Vater ist er mit
spanischsprachiger und portugiesischer Folklore aufgewachsen und entdeckte
schon früh seine besondere Liebe für den Fado. (» Das hat auch der Kreuzchor nicht
tot gekriegt. «)